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Ratgeber · Kultur
Rentiere und Sami-Kultur in Rovaniemi: respektvoll erleben
Die Sami sind das einzige indigene Volk der EU, und Rentiere gehören zum Kern ihrer Kultur. Hier liest du, was das für deinen Besuch bedeutet und wie du Touren ehrlich einschätzt.
Redaktion rentierfarmrovaniemi.deAktualisiert am 3. Oktober 20266 Minuten Lesezeit10 Quellen
Kurz gesagt
- 01Wer die Sami sind
- Das einzige indigene Volk in der EU, verankert in der finnischen Verfassung.1
- 02Wo sie leben
- Ihr Heimatgebiet in Finnland: Enontekiö, Inari, Utsjoki und der Norden von Sodankylä.2
- 03Rovaniemi
- Liegt außerhalb dieses Gebiets; nicht jede Farm hier ist eine Sami-Farm.
- 04Rentiere
- Die Rentierzucht ist ein wichtiger Grundpfeiler der Sami-Kultur.3
- 05Tour mit Sámi-Erbe
- 3 Std., höchstens 8 Gäste, ab 205 €.
Was du über die Sami wissen solltest
Wer sich für die Sami-Kultur in Rovaniemi interessiert, sollte mit einer Tatsache beginnen: Die Sami sind das einzige indigene Volk in der Europäischen Union, und ihr Status als indigenes Volk ist in der finnischen Verfassung verankert.1 Sie selbst schreiben ihren Namen Sámi. Ihre Kultur ist lebendig, vielfältig und eng mit dem Land im Norden verbunden.
Die Sami sind kein Volk aus dem Museum und keine Märchenfiguren aus dem Weihnachtsland. Sie leben heute, arbeiten in ganz unterschiedlichen Berufen und haben eigene Sprachen. Nicht jeder Sami ist Rentierhalter. Wer mit diesem Bild im Kopf nach Lappland reist, begegnet den Menschen dort mit dem Respekt, den sie verdienen. Viele Klischees über Lappland stammen aus Werbebildern, nicht aus dem Alltag im Norden.
Für dich als Gast heißt das vor allem: Neugier ist willkommen, Klischees nicht. Frag nach, hör zu, und erwarte keine Vorführung. Eine Rentierfarm bei Rovaniemi kann dir viel über die Tiere und den Norden zeigen, aber nicht jede Farm hat etwas mit der Kultur der Sami zu tun. Genau diesen Unterschied zu kennen, macht deinen Besuch ehrlicher und interessanter.
Das Rentierjahr
Was im Jahr der Rentiere passiert
-
Mai
Kälber kommen
Die meisten Rentierkälber werden im Mai geboren.4
-
Juni
Letzte Geburten
Einzelne Kälber folgen noch im Juni.4
-
Sommer
Freie Weide
Die Herden ziehen durch Wälder und Fjälls.
-
Im Lauf des Jahres
Zusammentreiben
Die Halter treiben die Tiere zusammen, auch mit Hubschraubern.5
-
Winter
Flechten unter dem Schnee
Dazu Zweige, Heu und Bartflechten.6
Wo die Sami in Finnland zu Hause sind
Das Heimatgebiet der Sami in Finnland umfasst die Gemeinden Enontekiö, Inari und Utsjoki sowie den nördlichen Teil der Gemeinde Sodankylä.2 Diese Gegend liegt ein gutes Stück nördlich von Rovaniemi, im hohen Norden Lapplands. Rovaniemi selbst gehört nicht zu diesem Heimatgebiet, auch wenn die Stadt das Tor nach Lappland ist.
Das bedeutet nicht, dass es in Rovaniemi keine Sami gibt oder dass man hier nichts über ihre Kultur lernen kann. Es bedeutet nur, dass eine Rentierfarm vor den Toren der Stadt in erster Linie eine finnische Rentierfarm ist. Rentiere werden in Finnland auch weit außerhalb des Heimatgebiets der Sami gehalten, das Zuchtgebiet umfasst 36 % der Landesfläche.7 Rund um Rovaniemi führen Familien die Rentierzucht mit eigenen Traditionen und eigener Geschichte weiter.
Wer die Sami-Kultur in ihrem Heimatgebiet erleben möchte, fährt weiter nach Norden, etwa nach Inari. Das ist eine eigene Reise wert, mit langen Fahrten durch Wald und Fjäll. Wer nur wenige Tage in Rovaniemi hat, kann sich trotzdem informieren: Das Arktikum, Sitz des Regionalmuseums von Lappland, ist ein guter Anfang.8
Vergleich
Farmtouren mit kulturellem Bezug
| Tour | Dauer | Gruppe | Bewertung | Ab-Preis |
|---|---|---|---|---|
| Saami-Farm mit Schlitten | 2 Std. | nicht angegeben | 4,06 | ab 124 € |
| Spaziergang und lokale Kultur | 2 Std. | max. 10 Gäste | 5,00 | ab 134 € |
| Safari mit Sámi-Erbe | 3 Std. | max. 8 Gäste | 4,50 | ab 205 € |
Aus den GetYourGuide-Angeboten, Preise ab und pro Gast. Ob ein Anbieter selbst Sami ist, nennen die Angebote nicht.
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Das vorrangige Ziel dieser ethischen Leitlinien ist es, einen Tourismus zu beenden, der die Kultur der Sámi ausbeutet, und falsche Informationen über die Sámi zu beseitigen, die über den Tourismus verbreitet werden.
Rentiere als Grundpfeiler der Sami-Kultur
Die Rentierzucht ist einer der wichtigen Grundpfeiler der Sami-Kultur.3 Sie schafft Arbeit, hilft, die abgelegenen Regionen bewohnt zu halten, und ist ein Ort, an dem die Sprache lebendig bleibt.3
Auch Kleidung, Handwerk und Esskultur der Sami hängen eng mit den Rentieren zusammen.3 Aus Fell, Leder, Sehnen und Geweih entstehen Schuhe, Taschen, Messergriffe und Schmuck. Echte Stücke sind Handarbeit mit langer Tradition. Wer ein Andenken kaufen möchte, achtet auf die Herkunft und fragt nach, wer es gemacht hat. Kauf lieber ein kleines Stück direkt von der Person, die es gemacht hat, als eine große Sammlung Massenware.
In Finnland ist die Rentierzucht aber nicht auf die Sami beschränkt. Das Zuchtgebiet umfasst 122.936 km² und damit einen großen Teil des Landes.7 Jedes Tier darin gehört einem Halter.10 Wenn du also auf einer Farm bei Rovaniemi Rentiere siehst, erlebst du eine Tradition, die Sami und Finnen im Norden teilen, aber auf jeweils eigene Weise leben.
Checkliste
Respektvoll unterwegs
Vor der Buchung
- Fragen, wer die Farm betreibt
- Skeptisch bei Kostümen und Zeremonien
- Bewertungen zur Kultur lesen
Vor Ort
- Zuhören statt erklären
- Menschen nur mit Zustimmung fotografieren
- Kunsthandwerk mit bekannter Herkunft kaufen
Video
Die Sami, ihre Rentiere und ihr Leben im Norden
Geladen wird das Video erst nach deinem Tipp auf Play.
Was das Sami-Parlament von Besuchern erwartet
Das Sami-Parlament in Finnland hat ethische Leitlinien für den Tourismus veröffentlicht. Ihr vorrangiges Ziel ist es, einen Tourismus zu beenden, der die Kultur der Sami ausbeutet, und falsche Informationen über die Sami zu beseitigen, die über den Tourismus verbreitet werden.9 Das ist eine klare Ansage an Anbieter, die mit der Kultur Geld verdienen, ohne zu ihr zu gehören.
Für dich als Gast heißt das in der Praxis: Sei skeptisch, wenn eine Tour mit Kostümen, Zeremonien oder Ritualen wirbt, die nach Show aussehen. Ein Guide in bunter Tracht, der nicht selbst Sami ist, hat mit echter Kultur wenig zu tun. Solche Angebote mögen unterhaltsam wirken, sie verbreiten aber genau die Bilder, gegen die sich die Sami wehren.
Echte Begegnungen sind leiser. Ein Halter, der von seiner Familie erzählt, eine Führung, die offen sagt, wer sie macht und woher das Wissen stammt, ein Museum mit sorgfältigen Erklärungen: Das sind gute Zeichen. Wenn du unsicher bist, frag einfach nach. Ein seriöser Anbieter kann dir sagen, ob er selbst Sami ist und wie er mit der Kultur umgeht.
Touren mit Sami-Bezug ab Rovaniemi
Die Tour, die zu diesem Ratgeber passt, ist eine Rentiersafari mit Schlittenfahrt, die Sámi-Erbe im Namen trägt. Sie dauert 3 Std., ist auf 8 Gäste begrenzt und kostet ab 205 €. Die Abholung ist inklusive, der Guide spricht Englisch. Gäste bewerten sie mit 4,50 aus 105 Bewertungen, den Guide mit 4,6.
Ein weiteres Angebot nennt sich Besuch auf einer Saami-Rentierfarm mit Schlittenfahrt. Es dauert 2 Std. und kostet ab 124 €. Gäste geben ihm 4,06 aus 87 Bewertungen. Bei beiden Touren gilt: Lies die Beschreibung genau und frag beim Anbieter nach, wer die Farm betreibt und was du über die Kultur erfährst. Ein seriöser Anbieter beantwortet solche Fragen gern und offen, und die Antwort sagt dir viel über die Tour, bevor du überhaupt gebucht hast.
Wer lieber eine Farm ohne kulturelles Versprechen besucht, findet einen Besuch mit Spaziergang und Einblick in die lokale Kultur, der auf Finnisch, Englisch und Deutsch geführt wird. Er dauert 2 Std. und ist auf 10 Gäste begrenzt. Hier erfährst du viel über die Rentierzucht vor Ort, ohne dass eine fremde Kultur als Kulisse dient.
Das Rentierjahr verstehen
Wer die Rolle der Rentiere verstehen will, sollte das Jahr der Tiere kennen. Im Frühjahr kommen die Kälber: Die meisten werden im Mai geboren, einige noch im Juni.4 Danach ziehen die Herden durch die Wälder und Fjälls, und die Halter verfolgen ihre Wege, oft über große Entfernungen.
Zu bestimmten Zeiten im Jahr werden die Tiere zusammengetrieben. Dabei holen die Halter kleinere Gruppen zu größeren Herden und dann in Gatter, zu Fuß, mit Motorrädern, Quads und Hubschraubern.5 Das ist harte, gemeinsame Arbeit, bei der die Familien und Nachbarn zusammenkommen. Wenn du eine Farm besuchst, frag ruhig, wann das bei dieser Familie stattfindet und ob Gäste dabei zuschauen dürfen.
Im Winter scharren die Rentiere Flechten unter dem Schnee hervor und fressen außerdem Zweige, Heu und Bartflechten.6 Wer im Winter auf eine Farm kommt, sieht oft, wie die Halter mit Futter nachhelfen. Frag ruhig, wie sich das Leben mit den Tieren in den letzten Jahrzehnten verändert hat, denn Klima und Landnutzung stellen die Rentierzucht vor neue Fragen.
Respektvoll fragen, zuhören, kaufen
Ein respektvoller Besuch beginnt mit Zuhören. Lass dir erzählen, statt selbst zu erklären, wie es im Norden ist. Stell offene Fragen und akzeptiere, wenn jemand über manches nicht sprechen möchte. Fotografiere Menschen nur, wenn sie zugestimmt haben, und frag auf einer Farm nach, bevor du Tiere oder Gegenstände ablichtest. Viele Fragen, die Besucher für harmlos halten, hat ein Halter schon unzählige Male gehört. Eine ehrliche, persönliche Frage öffnet oft mehr Türen als eine allgemeine.
Vermeide es, Tracht oder traditionelle Kleidung zum Spaß anzuziehen, wenn sie dir als Kostüm angeboten wird. Die samische Tracht ist kein Faschingskostüm, und wer sie so behandelt, trifft einen wunden Punkt. Bewundern und Fragen stellen ist dagegen immer in Ordnung.
Und wenn du etwas kaufen möchtest, kauf bewusst. Echtes Kunsthandwerk hat seinen Preis, weil es Zeit und Können kostet. Billige Souvenirs mit Sami-Motiven, die irgendwo in Massenproduktion entstanden sind, nützen den Sami nichts. Ein kleines, echtes Stück, dessen Herkunft du kennst, ist ein schöneres Andenken an deinen Besuch im Norden.
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Du fragst,wir antworten.
Wer sind die Sami?
Das einzige indigene Volk in der EU. Ihr Status als indigenes Volk ist in der finnischen Verfassung verankert.1
Liegt Rovaniemi im Heimatgebiet der Sami?
Nein. Das Heimatgebiet umfasst Enontekiö, Inari, Utsjoki und den Norden von Sodankylä.2
Ist jede Rentierfarm eine Sami-Farm?
Nein. Rentiere werden auch außerhalb des Heimatgebiets der Sami gehalten. Frag beim Anbieter nach, wer die Farm betreibt.
Welche Rolle spielen Rentiere für die Sami?
Eine zentrale. Die Rentierzucht ist einer der wichtigen Grundpfeiler der Sami-Kultur.3
Was will das Sami-Parlament von Touristen?
Keine Ausbeutung der Kultur. Seine Leitlinien sollen ausbeuterischen Tourismus und falsche Informationen über die Sami beenden.9
Was kostet die Tour mit Sámi-Erbe?
Ab 205 €. Sie dauert 3 Std. und ist auf 8 Gäste begrenzt.
Darf ich Sami fotografieren?
Nur mit Zustimmung. Frag immer zuerst. Das gilt für Menschen, ihre Tiere und ihre Gegenstände.
Quellen
Woher die Angaben stammen
- 1The Sámi Parliament of FinlandAbout us | The Sámi Parliament of Finland↩
- 2The Sámi Parliament of FinlandAbout us | The Sámi Parliament of Finland↩
- 3Sámi tourismResponsible Tourism in Sámi Homeland↩
- 4Reindeer Herders' AssociationReindeer and spring - Reindeer Herders' Association - Reindeer↩
- 5Reindeer Herders' AssociationAutumn - Reindeer Herders' Association↩
- 6Reindeer Herders' AssociationSnow and Digging - the Winter of the Reindeer↩
- 7Reindeer Herders' AssociationReindeer herding - Reindeer Herders' Association↩
- 8Arktikum Science Center & MuseumVisit - Arktikum Science Center & Museum - Rovaniemi↩
- 9The Sámi Parliament of FinlandEthical Guidelines for Sámi Tourism↩
- 10Visit FinlandWhere can I see a reindeer in Finland?↩
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